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Stellungnahme: Funktionsfähiger Wettbewerb im LEH
vom 01.03.2010
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Auch für den Lebensmitteleinzelhandel war 2009 ein schweres Wirtschaftsjahr. Nur die Discounter und die großen Supermärkte konnten flächenbereinigt zulegen, alle anderen Betriebsformen mussten Einbußen hinnehmen. Insgesamt ist der Umsatz des LEH in 2009 um fast zwei Prozent gesunken, und das, obwohl davon ausgegangen wird, dass die Absatzmengen auch im vergangenen Jahr zugenommen haben. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Preis auch weiterhin das Wettbewerbsinstrument Nummer eins in der Branche bleibt.Ob bessere Einkaufskonditionen durch sinkende Rohstoffpreise oder Effizienzvorteile durch Kostensenkungen in anderen Bereichen – wer die Chance hat, günstiger als der Mitbewerber anzubieten, der nimmt diese im deutschen Handel unverzüglich war. Der Verbraucher kann sich freuen. Die Preise für Lebensmittel liegen hierzulande deutlich unter dem europäischen Durchschnitt und das bei einer Kaufkraft, die weit höher ist als in vielen anderen Staaten der EU.

Die Wirtschaft selbst leidet allerdings unter diesem enormen Wettbewerbsdruck. Im Handel bleiben die Renditen unterdurchschnittlich im niedrigen einprozentigen Bereich und auch die Vorstufen – ob Hersteller oder Landwirtschaft – klagen über erheblichen Kostendruck und auch darüber, dass der Handel keine Fenster für Preiserhöhungen öffnet.

Doch trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen bleibt die Branche innovativ. So entstehen neue Betriebsformen, neue Dienstleistungen und vor allem werden immer wieder neue Produkte entwickelt und angeboten. In den letzten Jahren sorgte besonders der Trend zu Bio-Produkten für zahlreiche Veränderungen im Markt. Aber auch die Nachfrage nach Produkten für eine einfache und unkomplizierte Zubereitung oder zum sofortigen Verzehr hat Impulse gebracht. Nicht zu vergessen die Anstrengungen des Handels, mit neuen hochwertigen Eigenmarkenkonzepten das Preisniveau auch auf der höchsten Qualitätsstufe weiter zu senken.

Zu den Innovationstreibern im Markt gehören einerseits die Discounter, die mit ständig neuen Ideen aufwarten, andererseits setzen die selbstständigen Kaufleute in Sachen Innovation immer wieder Impulse. Unter dem Dach starker Genossenschaften gelingt es letzteren, ihre Nähe zum Kunden immer wieder in gute Geschäfte umzusetzen. Sie sind es, die Trends früh erkennen, und hier finden neue Produkte schnell einen Weg in die Regale, auch solche, die von kleinen regionalen Herstellern kommen. Und hier erlebt das Lebensmittelhandwerk zurzeit eine echte Renaissance. Kein Wunder, dass in den letzten Jahren neben dem Discount vor allem die Supermärkte auf vergleichbarer Fläche ihre Umsätze steigern konnten.

Profitieren von diesem intensiven Wettbewerb können vor allem die Verbraucher. Ob neue Produkt- oder Verpackungskonzepte, neue Organisationsformen oder Dienstleistungen – die Branche bietet immer wieder etwas neues und die Lebensmittelpreise haben sich in den letzten Jahren durchschnittlich kaum erhöht. Vielfach finden wir sogar Preise, die heute deutlich unter dem Preisniveau der frühen neunziger Jahre und sogar früherer Zeiten liegen.

Alle Anzeichen deuten also darauf hin, dass besonders in der deutschen Lebensmittelbranche der Wettbewerb in jeder Hinsicht funktionsfähig ist. Die Renditen sind niedrig, die Preise ebenfalls, der Leistungswettbewerb zwischen den Anbietern ist erheblich und die Innovationsquote ist hoch. John Maurice Clark, der in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts die Prinzipien einer „workable competition“ formulierte, hätte sicher Freude am aktuellen Marktgeschehen hierzulande.

Vor diesem Hintergrund ist es allgemein nicht nachzuvollziehen, dass die Kartellwächter gerade die Zentralen von Handel und Konsumgüterindustrie in den Fokus Ihrer Arbeit rücken. Die Vermutung vertikaler Preisabsprachen entspricht nicht dem Bild eines funktionsfähigen Gesamtmarktes, der über Jahre hinweg durch intensiven Wettbewerb für niedrige Preise und Renditen gesorgt hat. Und auch den Überlegungen der politischen Kräfte auf europäischer Ebene zur stärkeren vertikalen Regulierung von Lebensmittelpreisen fehlt vor dem Hintergrund der Wirklichkeit jedes Fundament. Ganz im Gegenteil, nicht Regulierung, sondern Deregulierung hat in den letzten Jahren zu mehr Wettbewerb und erheblichen Vorteilen für die Konsumenten gesorgt. Es wäre doch bedauerlich, wenn gerade in der Lebensmittelbranche diese Erfahrungen ignoriert würden.

Und noch eines ist zu beachten: Es gibt viele Gebiete, in denen Handel und Industrie durch vertikale Kooperation neue Werte schaffen und die Effizienz der Branche steigern können. Optimierung von Produktneueinführungen, Effizienzsteigerung in Warenwirtschaft und Logistik durch elektronischen Datenaustausch oder Nutzung einheitlicher Standards oder gemeinsames Arbeiten an der Gestaltung nachfragegerechter Sortimente – wenn selbst in diesen Bereichen die Unternehmen den Mut zur Zusammenarbeit verlieren, dann droht uns eine schlimme Zukunft, den Unternehmen und den Verbrauchern.

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